30 06/09
11:42

Gedanken zum Gefängnisplanet Erde 1

Mareike war den ganzen Tag umher gezogen. Dann nahm sie im Garten eines Stadtcafes platz und wartete nervös auf den Kellner. Sie mochte es nicht, wenn sie alleine sitzend irgendwo warten musste – schließlich war sie die Einzige hier, die alleine an einem Tisch saß. Nach gut zehn Minuten hatte sie der Kellner noch immer nicht bemerkt. Und das, obwohl er brav wie eine Biene einen Tisch nach dem Anderen abarbeitete. Mareike schnaubte. Wenn er jetzt wieder durch sie hindurch sehen würde, würde sie aufstehen und gehen. Und tatsächlich: Der Kellner drehte sich um, und gab der älteren Dame hinter Mareike ein Zeichen, dass er als nächstes sie bedienen würde. Ärgerlich drehte Mareike sich zu der Dame – die lächelte glücklich. Dann verließ sie mit einem lauten Stuhlquietschen das Kaffee.
Weil ihre Füße, vom vielen umherlaufen noch immer schmerzten, steuert sie eine Parkbank an. Schon fast die Erleichterung spürend, rempelt sie ein in einen dunklen Mantel gehüllter Mann an. Natürlich entschuldigt dieser sich nicht für das Versehen. Mareike zeigt ihm den Vogel, tut den nächsten Schritt und wird vom nächsten Passanten gestreift. Zwei Meter näher an der Bank, dasselbe Spiel: Bloß dass die Frau nach Alkohol und der junge Mann nach Zigaretten gestunken hatte. Sie war das gewohnt. Deswegen mied sie Einkaufsstraßen zur – im wahrsten Sinne des Wortes – „Stoß – Zeit“.
Endlich an der Parkbank angekommen, setzte sich im selben Augenblick eine Gruppe Jungendliche hin. Auch das ertrug Mareike mit einem Seufzer und blieb vor ihnen stehen. Scherzend und Lachend packten sie Jausenbrote und Alkopops aus. Wo eigentlich sie noch Platz gefunden hätte, stand nun ein Rucksack. Keiner von den Kids nahm Notiz von der Frau, die vor ihnen stand und ein zweites Mal tief Seufzte, bevor ein Aktenkoffer ihre Kniekehle traf. „Autsch!“, fluchte Mareike, „pass doch auf, du Arsch!“. Sie humpelte dem Typen, der sie gerade tuschiert hatte ein paar Meter hinterher, eher dieser sich kurz umdrehte, aber nicht stehen blieb. Vielleicht verbitterter als sonst ließ Mareike sich an einer Hauswand entlang zu Boden gleiten. Zischend rieb sie sich das Bein und als der Schmerz nachgelassen hatte, hob sie den Kopf. Der Himmel war blau, nur ein paar Wolken zogen über den Himmel. Es war ein warmer, sonniger Tag - auch wenn der leichte Wind, der ab und an ging, nach Kälte roch. Mareike atmete durch und ließ den Ärger und den Frust, der sich heute in ihr angestaut hatte in den Boden sinken. Schnell zog sie ihren linken Fuß ein, noch bevor dieser von einem Stöckelschuh getroffen wurde.
Mareike wusste um die Blindheit der Menschen. Sie würde sich nicht darüber wundern, wenn sie ein Geist wäre. Sie würde sich auch nicht darüber wundern, wenn sie eine Obdachlose oder eine Aussetzige wäre. Aber sie war ja augenscheinlich nicht anders als die Leute, die sie umgaben. Mareike war hübsch anzusehen, hatte einen Job, hatte einen Freund und eine liebe Familie. War gewaschen und gekämmt – eigentlich gab es keinen logischen Grund warum sie ständig übersehen und vergessen wurde. Doch Mareike musste sich an Tagen wie diesen eine wichtige Sache ins Gedächtnis rufen: Was sie von den Menschen, die auf ihr herum trampelten unterschied war:
Mareike war frei.

10 06/09
16:25

Bericht zur Goblin-Population im westlichen Distrikt

Bei unseren Untersuchungen, der Goblins im westlichen Distrikt haben wir etwas festgestellt. Ihre Population ist zwar stabil (1.738.953), aber die erwartete Steigerung blieb aus (im Vergleich zu den Goblinpopulationen in den anderen Gebieten) . Doch warum?

Dazu folgender Anlassfall: “Gnarf”, Sohn des Goblinkönigs “Gnarf Maximus” wurde zum Tode verurteilt, weil er gegen ein Gesetz verstoßen hat. Zu dem sei gesagt, dass wir deshalb eine steigende Goblinpopulation prognostiziert hatten, weil die besagten Goblins nun selbst erdachte Gesetze haben. “Gnarf” musste deshalb sterben, weil er einen als illegal geltenden Stein in seiner Steintruhe aufbewahrte. Beim Prozess beteuerte Gnarf nicht gewusst zu haben, dass der besagte Stein in seiner Truhe lag!

Wie das kommen konnte?

Dazu muss man folgendes wissen.

Seit Goblins heraufs gefunden haben, dass manche Steine explodieren, gibt es ein Gesetz, wonach explodierende Steine nicht mehr in Steinkisten aufbewart werden dürfen. Zwar werden explodierende Steine bei Goblins dazu verwendet um Tunnel zu errichten und nutzlose Hügel einzuäschern, doch durften diese Steine nur von Goblin-Tunnelbau - Rotten eingesetzt werden. Diese wussten im idealfall ja, was sie damit tun. Doch fand man heraus, dass 10 Goblins im Jahr bei explodierenden Steinkisten ums leben kamen, die nichts mit Goblin-Tunnelbau - Mitarbeitern zu tun hatten. Der letzte Fall, bevor dieses Gesetz eingeführt wurde fand in einer Taverne statt, wo ein Dieb eine Steinkiste entwand und vor der Taverne zur Explosion brachte - das war zu Silvester. Man munkelt, dass der Dieb betrunken war - was mangels zurechnungsfähiger Zeugen unbestätigt blieb.

Zur Kontrolle des Steinkisten - Gesetzes, wurde eine Komission eingeführt, die das Recht hat, jede Steinkiste zu kontrollieren und den Inhalt zu verändern. Das wurde deswegen notwendig, da Prinzessin “Gnara” - Tochter des Königs, sich weigerte, ihre Steinkliste der Steinkisten - Kontroll - Kommission zu zeigen. Um einer öffentlichen Blamage zu entgehen, wurde das Gesetz auf die heutige Fassung geändert.

Im ersten Monat wurden 1000 Steinkisten konfisziert. Davon wurden null explosive Steine gefunden. Zwar  wurde das Gesetz heiß Diskutiert, doch blieb es aufrecht, nachdem der erste explosive Stein in einer vergessenen Steinkiste neben dem Altersheim gefunden wurde (das Altersheim wurde drei Tage später abgerissen um für eine Taverne platz zu machen. Der Leiter des Altersheim hatte dies wegen zu geringer Auslastung (Null im Vergangenen Jahr) beschlossen). Seit dem Vorfall wurden 10.235 auf Grund des Steinkisten-Gesetzes festgenommen und zu Tode verurteilt.

Mit Sorge stellen wir fest, dass die Goblins nun einen neuen Weg gefunden haben, um ihrer Spezies zu dezimieren. Ähnliche Gesetze wie das Steinkisten - Gesetz (das Verbot betrunken Sex zu haben, das Gesetz mit Flüssigkeit in Behältern im Handgepäck in Goblin-Ballons zu steigen, die neue Regelung des Goblin-Straßenverkehrs, der Goblin-Verhaltenkodex “im Falle eines Brandes”, das König “Gnarf-Maximus” Steuern- und Abgabengesetz, die Abschaffung der Goblin-Erbschaftssteuer (ein sog. Goblin-Wahlzuckerl), etc.) führen dazu, dass die Population nicht wie prognostiziert ansteigt.

03 06/09
16:44

DMH

Schon ewig war die schwarze Rabennase damit beschäftigt, von oben - von den Dächern auf das bunte Gewusele in den Gassen zu glotzen. Dennoch hatte sie vieles nicht begriffen: Warum bellen die Menschen sich gegenseitig an? Und dann die Eine Alte mit der roten Nase und dem Einkaufswagerl: Warum tun alle so, als wäre sie ein Baum? Und warum steht die Menschentraube so weit weg von dem Mann mit der Fidel - die da krächzt so schön. Ob ein schillernder Silberling mal am Kofferrand abprallen und weit weg rollen würde?

Lauter bunte Säcke rascheln durch die Gassen. Gebrabbel, gebell, Fidelkrächzen. Der Schatten am Dach bleibt unbemerkt, legt das Kopferl schief und beschließt zu warten. Wie immer, wenn die Welt laut und der Tod nah ist. Aber aufs Einkaufswagerl wird aufgepasst…

Sowas Dummes aber auch…